Auf dieser Seite möchte ich Sie über die wissenschaftlichen Hintergründe meiner Arbeit in meiner Praxis für Psychotherapie in Münster informieren.

Laut ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen differenziert man unterschiedliche psychische Störungsbereiche*:

F0: Organische einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F1: Störungen durch psychotrope Substanzen
F2: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F3: Affektive Störungen
F4: Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen
F5: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen
F6: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F7: Intelligenzminderung
F8: Entwicklungsstörungen
F9:Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit/Jugendzeit

Im Folgenden wird Ihnen ein grober Überblick der Störungsbereiche und -bilder gegeben:

F1
Störungen durch psychotrope Substanzen und Alkohol

Unter diesen Störungen sind Zustandbilder klassifiziert, die in Verbindung mit psychotropen Substanzen (Cannabinoide, Amphetamine, Halluzinogene, Sedativa, Hypnotika wie beispielsweise Cannabis, LSD, Heroin, Ecstasy, Kokain, Speed usw.) auftreten bzw. durch die Einnahme der Substanzen ausgelöst werden. Darunter fallen auch alle Störungen in Verbindung mit dem Konsum von Alkohol.

F2
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F20 ff)

Die schizophrenen Störungen sind charakterisiert durch inhaltliche (z.B. Halluzinationen) und formale (z.B. Zerfahrenheit, Gedankenabrisse) Denkstörungen sowie inadäquate und/oder abgeflachte Affekte. Darüber hinaus kann es zu sozial inadäquaten Verhaltensweisen kommen, einhergehend mit der Neigung zu sozialem Rückzug. Die klassifizierten Störungen unter F2 sind sehr vielseitig und in der Ausprägung, dem Verlauf und der Art/Form der Störung sehr unterschiedlich.

Neben psychotherapeutischen Methoden zur Behandlung dieser Störungsbilder sind die Psychopharmakotherapie (und die medikamentöse Compliance) und die ärztliche Abklärung unumgänglich.

F3
Affektive Störungen, uni- und bipolare Störungen

Die uni- und bipolaren Störungen sind Störungen der Affektivität. Die Hauptsymptomatik liegt in einer Veränderungen der Stimmungslage, die sich u.a. auch auf das allgemeine Aktivitäts- und Funktionsniveau der Betroffenen/des Betroffenen auswirkt.

Laut ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen differenziert man diesen Störungsbereich betreffend viele unterschiedliche Verlaufsformen und Episoden.

Im Folgenden wird Ihnen ein grober Überblick der einzelnen, unter F3 subsumierten Störungsbilder gegeben:

Manie/Hypomanie (F30 ff)

Bei der Manie oder Hypomanie (abgeschwächte Form der Manie) handelt es sich um ein Störungsbild, das charakterisiert ist durch eine deutlich gehobene Stimmungslage, gesteigerten Antrieb und Aktivität, Ruhelosigkeit (vermindertes Schlafbedürfnis) und das subjektive Gefühl einer erhöhten Leistungsfähigkeit im Allgemeinen. Es kann zu Selbstüberschätzungen kommen und für den Betroffenen zu unüblich gesteigerten Handlungen (z.B. übertriebene Geldausgaben, „High-Risk-Verhalten“, z.B. schnelles Autofahren etc.).

Bipolare affektive Störung (F31 ff)

Die bipolare Störung ist gekennzeichnet durch zwei konträr zueinanderstehende Stimmungslagen. Es handelt sich um einen Wechsel zwischen deutlich gehobener (Manie/Hypomanie) und deutlich gesenkter Stimmung (Depression).

Depression (F32 ff)

Die depressiven Störungen sind charakterisiert durch eine deutlich gedrückte Stimmungslage, einhergehend mit einer Verminderung der Aktivität und des Antriebes. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Fähigkeit, sich zu freuen und Freude zu erleben, beeinträchtigt. Kleinste Anforderungen werden als große und nicht zu bewältigende Aufgabe erlebt. Die Störung geht zudem einher mit Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und einem Rückgang an sozialen Interessen/Kontakten.

F4
Angststörungen und Phobien (F40/F41 ff)

Die Angststörungen/Phobien/Panikstörungen sind Störungen, die hervorgerufen werden durch spezifische oder unspezifische, eigentlich rational als ungefährlich definierte Situationen. Typischerweise äußert sich die Symptomatik in Herzklopfen, Schwächegefühl, Angst vor Kontrollverlust, Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schweißausbrüche, Angst zu sterben usw.. Um die Symptome nicht aufkommen zu lassen, werden Situationen oder Handlungen vermieden.

Auch was diese Störungsgruppe betrifft, wird zwischen unterschiedlichen Formen unterschieden, z.B. Agoraphobie (z.B. Angst in Menschenmengen oder auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine im Bus, Bahn etc.), soziale Phobien, spezifische Phobien (z.B. Prüfungs-/Examensangst, Klaustrophobie, Tierphobien etc.), Panikstörung, generalisierte Angststörung.

Zwangsstörungen (F42 ff)

Das Hauptmerkmal dieser Störung besteht darin, unter wiederkehrenden und als unangenehm (aufdringlich) empfundenen Gedanken und Handlungen zu leiden, die die Betroffene/den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Die aufkommenden Gedanken werden als quälend und belastend erlebt, wobei die betroffene Person immer wieder versucht, erfolgslos Widerstand dagegen zu leisten. Durch entsprechende Zwangshandlungen können die Gedanken zwar kurzfristig unterdrückt werden, letztlich verstärkt sich die Angst (Befürchtung) jedoch deutlich. Die auftauchenden Zwangsgedanken werden zwar als ich-zugehörig erlebt, jedoch auf rationaler Ebene als vollkommen übertrieben oder unsinnig bewertet. Häufig handelt es sich um Befürchtungen/Gedanken, die als abstoßend empfunden werden.

Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F43 ff)

Die Symptomatologie dieser Störungen steht im kausalen Zusammenhang mit abnormen und außergewöhnlich belastenden Ereignissen/Erlebnissen, die kurz- oder längerfristig das ggf. sonst stabile Gefüge der Betroffenen/des Betroffenen ins Wanken bringt.

Posttraumatische Belastungsstörungen (F43.1)

Bei der PTBS handelt es sich um eine normale Reaktion auf sehr belastende und abnorme Ereignisse/Erlebnisse. Die Störung geht einher mit Alpträumen, sich wiederholenden und aufdrängenden Erinnerungen, wobei der Betroffene/die Betroffene ständig versucht, die Erinnerungen los zu werden und zu vergessen, außerdem mit einer erhöhten Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit sowie Konzentrationsschwierigkeiten und Ein- und Durchschlafstörungen. Die Betroffenen neigen dazu, sich aus sozialen Kontakten zurückzuziehen.

Anpassungsstörungen (F43.2)

Die Anpassungsstörung kann nach einer entscheidenden Lebensveränderung und/oder aufgrund eines einschneidenden und unerwarteten Ereignisses (z.B. Verlust, Trennung) auftreten. Das Störungsausmaß und der Verlauf können sehr unterschiedlich sein, meistens geht die Störung einher mit depressiven Symptomen, dem Rückzug aus sozialen Bezügen und Ängsten.

Somatoforme Störungen/Somatisierungsstörung (F45 ff)

Diese Störungsbilder sind durch eine wiederholende Darbietung körperlicher Symptome gekennzeichnet und damit einhergehend mit wiederholten ärztlichen Untersuchungen mit in der Regeln negativem Befund. Somatische Ursachen begründen nicht die Art und Schwere der subjektiv empfundenen Symptomatologie.

F5
Sexuelle Funktionsstörungen (F52 ff)

Die sexuelle Funktionsstörung zeichnet sich aus durch eine Beeinträchtigung der gewünschten sexuellen Beziehung/Befriedigung, z.B. Verlust von sexuellem Verlangen, sexuelle Aversion, Versagen genitaler Reaktionen, Orgasmusstörung, frühzeitige Ejakulation usw.. Es handelt sich um eine Störung, die nicht durch eine organische Störung oder somatische Erkrankung verursacht wird.

Essstörungen (F50 ff)

Bei diesem Störungsbild handelt es sich um eine Störung in Verbindung mit der Nahrungsaufnahme und des Selbstbildes/der Selbstwahrnehmung im Hinblick auf den eigenen Körper.

Anorexia nervosa, Magersucht (F50.0)

Dieses Störungsbild ist charakterisiert durch einen absichtlich und selbst herbeigeführten Gewichtsverlust, der mind. 15% unter dem Normgewicht liegt. Zudem ist die Selbstwahrnehmung der Betroffenen insofern verzerrt, als sie sich für zu dick halten und entsprechend immer niedrigere Gewichtsgrenzen aufstellen. Die Betroffenen sind in ihrer allgemeinen Lebensführung fast nur noch auf ihr Gewicht bzw. ihr selbst definiertes Gewichtsziel konzentriert. Der Gewichtsverlust bzw. das Gewicht muss derart niedrig sein, dass körperliche Beeinträchtigungen auftreten (Veränderung des Hormonspiegels, Amenorrhoe, erhöhter Cortisolspiegel, Hypothermie usw.).

Bulimia nervosa (F50.2)

Diese Essstörung ist durch wiederholende Essanfälle und Erbrechen (Gebrauch von Abführmitteln) gekennzeichnet. Die Störung geht einher mit einer übertriebenen Beschäftigung mit dem Essen und Abnehmen (Wunschgewicht). Es liegt eine verzerrte Selbstwahrnehmung vor (die Betroffenen fühlen sich zu dick). Im Verlauf kommt es zu körperlichen Störungen (u.a. zu Störungen des Elektrolythaushaltes).

F6
Persönlichkeitsstörungen (F60 ff)

Die Persönlichkeitsstörung ist charakterisiert durch dauerhafte und stabile Verhaltens-, Gefühls- und Denkmuster, die deutlich von den kulturell erwarteten und akzeptierten Normen abweichen. Diese Muster kristallisieren sich ab der Adoleszenzphase heraus. Die Abweichungen sind derart ausgeprägt, dass es häufig zu Konflikten in sozialen Situationen/Interaktionen kommt sowie zu gesetzlichen Übertretungen und/oder verantwortungslosem Handeln und Übertretung sozialer Normen. Man unterscheidet zwischen unterschiedlichen spezifischen Persönlichkeitsstörungen.

Störungen der Impulskontrolle (F63 ff)

Diese Störungen sind gekennzeichnet durch wiederholte Handlungen, die von den betroffenen Personen nicht kontrolliert werden können und meistens die Interessen der Person oder anderer Menschen schädigen. Trotz subjektiv hohem Leidensdruck können die Handlungen nicht unterlassen werden, zum Beispiel pathologisches Glücksspiel, Kaufsucht, pathologische Brandstiftung (Pyromanie), pathologisches Stehlen (Kleptomanie), Trichotillomanie.

Störungen der Geschlechtsidentität (F64 ff)

Die Störungen der Geschlechtsidentität umfassen: Transsexualismus, Störungen der Geschlechtsidentität des Kinderalters.

Störungen der Sexualpräferenz (F65 ff)

Unter dem Begriff der Störung der Sexualpräferenz, auch Paraphilie genannt, sind Störungen subsumiert, die durch wiederholt auftretende intensive sexuelle Impulse und Phantasien bezogen auf ungewöhnliche Gegenstände oder Aktivitäten gekennzeichnet sind. Die Impulse können nur schwer kontrolliert werden. Die betroffenen Personen fühlen sich durch ihr Verlangen beeinträchtigt, sie können einen hohen Leidensdruck dadurch erleben. Nicht selten kann es aufgrund des Ausagierens dieser Impulse/des dranghaften Verlangens zu gesetzlichen Übertretungen und zum Nachteil (Schaden) anderer Personen kommen. Beispiele für diese Störungen sind: Fetischismus, Exhibitionismus, Voyeurismus, Pädophilie, Sadomasochismus.

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* Zusammenstellung: Dipl.-Psych. Tina Neuschmelting, Februar 2012